Selen repariert DNA-Schäden in Tumorzellen bei Prostatakrebs

selen Französische Forscher finden hochinteressante Hinweise, wie das essentielle Spurenelement Selen Krebs nicht nur vorbeugen, sondern auch bekämpfen hilft.

Hintergrund

Epidemiologische Studien fanden in der Vergangenheit immer wieder einen inversen Zusammenhang zwischen Auftreten und Verlauf verschiedener Krebserkrankungen und der Zufuhr von Selen. Diverse Laboruntersuchungen konnten bis heute gleich mehrere Mechanismen identifizieren über die das Mineral bestimmte Krebs vorbeugenden und Tumor bekämpfenden Wirkungen erzielt. Dabei spielt es allerdings eine entscheidende Rolle, um welche Art von Tumoren es sich handelt und auch in welcher Form Selen zugeführt wird.

Studie – Selen – DNA-Schäden – Krebszellen – Prostata [1]

Wissenschaftler des Laboratoriums Lésions des Acides Nucléiques im französischen Grenoble sowie der Universitäten in Ankara und Chicago untersuchten die Effekte geringer Mengen einer organischen Selen-Verbindung (Selenomethionin) und einem anorganischen Selensalz (Natriumselenit) auf den genetischen Code von gesunden Prostatazellen und Tumorzellen.

Ergebnis

Selen erwies sich als hochwirksamer Zellschutz und besonders DNA-Schutz gegenüber klasssichen genotoxischen Faktoren wie Wasserstoffperoxid (H2O2) und UVA-Strahlung, nicht jedoch gegenüber UVC-Strahlung oder Methylmethansulfonat . Darüber hinaus zeigten mit Selen vorbehandelte Zellen einer verbesserte Fähigkeit und Aktivität ihre geschädigte DNA wieder zu reparieren. Letzteres ist ein bisher unbekannter Effekt, der von Selen ausgehen kann.

Schluss

Selen aus organischen wie anorganischen Verbindungen ist in der Lage, nicht nur die Zellintegrität durch eine Reduktion von oxidativem Stress zu erhalten und Schädigungen der DNA vorzubeugen, sondern auch geschädigte und in ihrer Funktion gestörte DNA verstärkt wieder zu reparieren. Diese Mehrfachwirkungen erweitern unser Verständnis für die positive Bedeutung von Selen in der Krebsvorbeugung wie auch in der unterstützenden Therapie.

The beneficial role of Se may be explained by a combination of antioxidant activity and the maintenance of DNA repair capacity.
Walid Rachidi, Laboratoire des Lésions des Acides Nucléiques, Grenoble

Kommentar (Schmitt-Homm)Schmitt-Homm

Entgegen den zum Teil vorschnellen und undifferenzierten Ableitungen aus einer jüngeren Untersuchung, die keinen Schutzeffekt von Selen bei Prostatakrebs bestätigen konnte (SELECT-Studie), zeigt die überwältigende Mehrzahl aller bisher vorliegenden Forschungsstudien eine signifikante Schutzwirkung von Selen im Hinblick auf die Entstehung und das Wachstum verschiedener Arten von Tumoren. [5]
Das deckt sich auch gut mit den Ergebnissen bei Hunden. Diese Tiere (in diesem Fall Beagle) sind im Hinblick auf die Prostatagesundheit ein besonders interessantes Forschungsobjekt, da sie als einzige eine mit dem Menschen vergleichbare Prostatakrebsentwicklung aufweisen. Auch hier führt Selen gerade bei älteren Tieren zu verringerten Schäden an der DNA als auch zu erhöhter Zellapoptose. [2]

Beachtet werden muss allerdings ein anderer wesentlicher Aspekt: die aktuellen Forschungsergebnisse beziehen sich nur auf eine bestimmte Form von Krebszellen der Prostata (LNCaP), die auch typischerweise in Zellstudien verwendet wird. In der überwiegenden Zahl der Krebserkrankungen entstehen jedoch auch mutierte Formen. Die beobachteten Selenwirkungen lassen deshalb keine sicheren Aussagen über die Effekte bei mutierte Krebszellen zu. Auch wirkt Selen nicht gegen alle Risikofaktoren von Prostatakrebs, was neben anderen Aspekten auch die nicht einheitlichen Studienergebnisse erklären könnte.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Selendosis. In hohen Dosierungen entwickelt Selen auch pro-oxidative und damit aggressive Zelleffekte. Für eine rein präventive Schutzwirkung scheint es entsprechend einen U-förmige Wirkungsverlauf zu geben, wobei sich die Schutzwirkung mit steigender Selenaufnahme erhöht, um dann bei hohen Dosierungen wieder abzufallen. [3]

Hohe Dosierungen von anorganischen Selen-Verbindungen wie wie Selenit könnten bei bestehender Krebserkrankung speziell bei chemoresistenten Tumoren zum Zelltod der Krebszellen beitragen. [4]

"Take-Home Message"

Eine gute Versorgung mit Selen (100-300 µg) stellt einen bedeutenden Faktor für die Prostatagesundheit und die Prävention von Prostatakrebs dar, wobei die Wirksamkeit wahrscheinlich nicht für alle Tumorvarianten und alle Tumorursachen in gleichem Maße gilt.

Für die präventive Wirkung scheinen organische, in stärkerem Maß aber anorganische Selen-Verbindungen wirksam zu sein (bis zu 300fach potenter). Als therapeutische Unterstützung kann hochdosiertes Selenit eine Krebsbehandlung möglicherweise bedeutsam unterstützen.

Reference
[1] V. de Rosa et al., “Low doses of selenium specifically stimulate the repair of oxidative DNA damage in LNCaP prostate cancer cells.,” Free radical research, vol. 46, no. 2, pp. 105-16, Feb. 2012. Link

[2] D. J. Waters et al., “Effects of dietary selenium supplementation on DNA damage and apoptosis in canine prostate.,” Journal of the National Cancer Institute, vol. 95, no. 3, pp. 237-41, Feb. 2003. Link

[3] D. J. Waters et al., “Prostate cancer risk and DNA damage: translational significance of selenium supplementation in a canine model.,” Carcinogenesis, vol. 26, no. 7, pp. 1256-62, Jul. 2005. Link

[4] E. Olm et al., “Extracellular thiol-assisted selenium uptake dependent on the x(c)- cystine transporter explains the cancer-specific cytotoxicity of selenite.,” Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, vol. 106, no. 27, pp. 11400-5, Jul. 2009. Link

[5] M. Wu, M. M. Kang, N. W. Schoene, and W.-H. Cheng, “Selenium compounds activate early barriers of tumorigenesis.,” The Journal of biological chemistry, vol. 285, no. 16, pp. 12055-62, Apr. 2010. Link

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